"Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage..." Die Krise des Sinns und der Sinne in Corona-Zeiten

Der Rahmen für die Themenwahl meines Vortrags wurde mir von den VeranstalterInnen durch drei schwergewichtige Begriffe abgesteckt: Sinn, Sinnerfüllung, Zufriedenheit.

Man kann die drei Begriffe in dieser Reihenfolge durchaus wie eine Rezeptur zur Herstellung von ‚Zufriedenheit’ mit Gelingensgarantie lesen: Sinnsuche und Sinnerfüllung wären demnach die Voraussetzung dafür, dass Menschen zufrieden sein können?

Aber ist Zufriedenheit überhaupt ein wünschbares Ziel. Käme heute nicht alles darauf an, Unzufriedenheit zu lernen? Und: In welchem Verhältnis steht die Zufriedenheit zur Mäßigung? Und: Können Konsumenten überhaupt zufrieden sein; mehr noch: können sie als Konsumenten Sinn suchen und finden. Und: Wo verläuft die Grenze zwischen kundiger Unzufriedenheit und ewiger Nörgelei. Und: Stimmt es eigentlich, dass in schweren Zeiten, die Sinnfragen drängend werden? Haben wir in der ‚Corona-Krise nicht gerade erlebt, dass sie zum Erliegen kamen, weil die Sicherheitsfragen unsere erste und einzige Sorge waren? Und: Können bezahlte Dienstleister behilflich sein bei der Sinnfindung? Und: Können wir überhaupt sagen, was Sinn ist? Und schließlich soll die Sinnfrage auch noch mit der Idee eines glücklichen Gehirns verbunden werden, das ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, ebensowenig wie einen unglücklichen Fuß oder Magen. Ich kann mir nur eine Person als glücklich oder unglücklich denken. 

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