Literatur, Musik

Nadine Kegele: Und essen werden wir die Katze

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Biografien kann man an- und ausziehen, sich umhängen oder sich daran aufhängen, zumindest literarisch. Meist ist es umgekehrt. Biografien schreiben fest: Afghanische Geflüchtete. Österreichischer Bauarbeiter. Aber wie lange bleibt ein Flüchtling ein Flüchtling? Und warum wird einem Bauarbeiter kein Museum zugetraut?


Nadine Kegele sucht die Leerstellen und Zwischentöne und changiert zwischen Lossagung und Neuschreibung. Sie zerteilt Lebensläufe in ihre Bausteine, verwebt mit dem roten Faden der biografischen Frage Gespräche, Zitate und Nachrichten zu literarischen Texten, näht Buchstaben und Bilder zu Collagen zusammen – und geht dabei weit über die Genregrenzen hinaus. Sie schaut jedem Wort genau auf die Finger, befragt seine vordergründige und versteckte Bedeutung und entblößt Sprache als hochpolitisches Instrument. Jede Erzählung, jedes Bild schärft den Blick auf Gesellschaft und zeugt von einer großen Lust am Finden und Erfinden.


Nadine Kegele, geboren 1980 in Bludenz, lebt in Wien. Studium der Germanistik, Theaterwissenschaft und Gender Studies. Sie schreibt unter anderem für die Straßenzeitung Augustin. Hat zahlreiche Preise und Stipendien erhalten, u.a. Publikumspreis beim Bachmannpreis, Jubiläumsstipendium der Literar Mechana, Projektstipendium des Bundeskanzleramts Österreich, Theodor-Körner-Preis. Zuletzt erschienen der Roman „Bei Schlechtwetter bleiben Eidechsen zu Hause“ (Czernin 2014) und die literarischen Protokolle „Lieben muss man unfrisiert“ (Kremayr & Scheriau 2017), die Ö1 2018 als Hörspiel produziert.


Eintritt: 5 Euro


Nadine Kegele: Und essen werden wir die Katze. Kremayr & Scheriau 2018

Fotocredit: (c)detailsinn.at

Cover: Kremayr & Scheriau